Tangiert

Berichte

Erfahrungsberichte betroffener Frauen und Bericht einer Tochter.

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Artikel aus der Zeitschrift "Freundin" Nr. 16/2009 (Mit freundlicher Genehmigung des Verlages)

Ein Mann, der mit einem verheirateten Mann liiert ist, berichtet die Situation aus seiner Sicht. Lesen (PDF-Datei / 374 KByte)


Mein Vater - schwul

Mein Vater - schwul ! (Bericht von Jana )
Ich möchte berichten, wie ich die Entwicklung meiner Familie, insbesondere die meines Vaters in den letzten Jahren wahrgenommen habe. Eigentlich dachte ich, wir wären eine recht glückliche und zufriedene Familie. Doch das ganze Bild hat sich etwas gedreht, als ich in meinem 14. Lebensjahr herausfand, dass mein Vater wohl eine Neigung an sich hat, die ich nicht verstehen konnte. Er ist schwul. Mit dem Thema „Schwul“ kommt man nicht sehr einfach zurecht, wenn man gerade mal 13 Jahre alt ist. Mir war es einfach nur peinlich, und ich habe es nur wenigen guten Freunden erzählt, weil ich mich einfach für meinen Vater geschämt habe, dass er anders ist. Es wäre mir sehr viel leichter gefallen, wenn er sich „nur“ für andere Frauen interessieren würde, das wäre irgendwie normaler.

Wenn man länger darüber nachgedacht hat, kamen einem viele Fragen in den Kopf: Warum ist er nicht normal? Warum steht er auf Männer und nicht auf Frauen? Warum sind ihm andere Sachen wichtiger als die Familie? Ist diese Neigung nur von kurzer Dauer oder langfristig? Wird er sich für das Leben als Schwuler entscheiden oder für das Leben in der Familie? Wird er wirklich ausziehen?

Diese ganzen Fragen blieben fast alle offen, bis er ausgezogen ist. Er konnte noch nie gut über seine Gefühle sprechen und wahrscheinlich war er selbst sehr verwirrt, sodass ich am Anfang eigentlich nur mit meiner Mutter und meinem Bruder (damals 16 Jahre alt) darüber gesprochen habe.

Mein Vater hatte wohl Angst, mit seinen Kindern über dieses problematische Thema zu sprechen. Irgendwann, auf Drängen meiner Mutter, sprach er mit uns. Das Gespräch half mir nicht sehr viel weiter, da er einfach die Tatsachen verdrehte und die Schuld nicht bei sich suchte, sondern bei meiner Mutter. Allein schon schlimm war die Tatsache, dass er wohl nie mit uns darüber geredet hätte, wenn meine Mutter ihn nicht dazu gedrängt hätte. Ich denke, so etwas muss freiwillig kommen, sonst erfüllt es nicht seinen Sinn. Die Kinder haben das Recht, Antworten auf ihre Fragen zu bekommen und dass darüber familienintern gesprochen wird. Man muss den Kindern die Chance geben, den Vater und seine Neigung zu verstehen, damit sie das Erlebte auch verarbeiten können.

Als ich dann erfuhr, dass er einen festen Freund in Berlin hat, war das schon ein sehr komisches Gefühl. So gut wie jedes Wochenende ist mein Vater nach Berlin geflogen und hat uns ziemlich vernachlässigt. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es für meinen Vater wichtiger wäre, sich mit einem Mann zu treffen, als bei seiner Familie zu sein. Als sich meine Eltern endgültig trennten und mein Vater mit seinem Freund zusammenzog, war das sehr hart für meinen Bruder und mich. Da wir uns aber gut mit dem Freund meines Vaters verstehen, konnte ich mich recht schnell damit arrangieren. Mittlerweile ist das Verhältnis zwischen meinem Vater und mir besser denn je. Seine ganze Lebenseinstellung hat sich verändert, er ist viel lockerer geworden und interessiert sich mehr für mich.

Nach bald 5 Jahren mit dem Wissen, dass mein Vater schwul ist, ist es für mich nichts Besonderes mehr. Ich bin älter und reifer geworden und finde das ganze nicht mehr so außergewöhnlich und anormal wie damals. Ich habe eigentlich keine Probleme mehr, darüber relativ offen zu sprechen, und mit meinem Vater und seinem Freund durch die Stadt zu laufen. Ich denke, so wie es jetzt ist, ist es am besten. Meine Eltern haben beide einen Partner, mit dem sie glücklich sind, und darüber freue ich mich sehr für sie. Zum Schluss kann ich nur sagen: Ich mag beide Elternteile so wie sie sind, ob hetero oder homo.

Jana, 17

Geld verdienen

Entsetzt hat mich die Sache mit dem Geld verdienen (Bericht von Marion)
Vor über 4 Jahren gestand mein Ehemann, dass er auch mit Männern sexuelle Kontakte hat. Ich hatte es schon lange vorher geahnt, eigentlich schon Jahre vorher. Aber ich wagte es nie, ihn konkret danach zu fragen. Ich dachte immer, solange „es“ nicht ausgesprochen wird, ist „es“ auch nicht real. Und wenn ich meine Vermutungen verbal geäußert und von ihm bestätigt bekommen hätte, würde mein Mann erleichtert sein und seinen Druck loshaben. Ich aber müsste dann alleine leiden mit dieser Gewissheit. So dachte ich lange, lange Zeit.

Nachdem sich aber die Hinweise immer mehr verdichteten und ich die Augen nicht mehr verschließen konnte, sprach ich ihn direkt darauf an. Erst stritt er alles ab, bis er es endlich gestand:“ Ja, ich bin schwul!“ Ihm sei langweilig geworden in der Ehe (dann hätte er sich aber bestimmt eine Freundin gesucht!) und außerdem habe er damit auch Geld verdient. Um damals während seiner Arbeitslosigkeit sein Taschengeld aufzubessern, hat er die z.T. perversen Wünsche homosexueller Männer erfüllt. Er war sogar noch fast stolz darauf, mit relativ wenig Anstrengung - dafür mit um so mehr Spaß - eine Menge Kohle zu scheffeln. Davon, daß er schwul ist, war ich gar nicht so geschockt, wie ich vorher vermutete - entsetzt hat mich die Sache mit dem Geld verdienen.

Wir haben dann tage- und nächtelang geredet, geweint und uns in den Armen gelegen. Auch hatten wir in dieser Zeit den schönsten Sex, den man (frau) sich wünschen kann. 1 ½ Jahre lang führten wir eine Traumbeziehung, auch wenn mir klar war, dass es nicht immer so bleiben würde. Mein Mann hatte in dieser Zeit auch überhaupt nicht das Bedürfnis, mit Männern zu verkehren. (Er behauptet heute, nicht schwul, sondern bisexuell zu sein.)

Der Absturz kam natürlich, er ließ sich nicht aufhalten. Ich hatte - außer meiner besten Freundin - niemanden, dem ich mich anvertrauen konnte. Durch Zufall entdeckte ich das Buch von Bettina von Kleist „Mein Mann liebt einen Mann“ und habe mich endlich, endlich verstanden gefühlt. Die Berichte der Frauen in diesem Buch ähnelten meiner eigenen Geschichte. Die Gefühle, die diese Frauen beschrieben, waren nahezu identisch mit meinen. Ich bin nicht die Einzige! Ich bin nicht mehr alleine mit diesem Problem!

Durch dieses Buch habe ich auch von „TANGIERT“ erfahren und nahm Kontakt auf. Nach dem ersten Telefonat mit einer Frau der örtlichen Tangiertgruppe, die mir auch den Termin des nächsten Gruppentreffens sagte, hätte ich die Welt umarmen können. Die Situation daheim spitzte sich immer mehr zu und ich verspürte einen Riesenstein in mir, der mir fast den Atem nahm. So ging ich zum ersten Mal zu diesem Treffen. All diese Schicksale der Frauen sind so vielschichtig und doch ähneln sie sich alle. Keine der Frauen sagte zu mir“ Für mich wäre es schlimmer, wenn mein Mann eine andere Frau hätte“, so wie mir eine Freundin sagte. Diese Frauen in der Gruppe verstehen, das „frau“ keine reelle Chance hat, wenn „mann“ den Sex mit Männern bevorzugt.

An diesem Tag, auf der Heimreise Richtung Autobahn, spürte ich diesen Stein in mir nicht mehr! Ich fühlte mich in diesem Moment total befreit! Ich hatte das Gefühl, Flügel zu besitzen! So leicht, so losgelöst war ich schon Jahre nicht mehr. Allerdings kam der Stein zurück, wurde während der weiteren Fahrt nach Hause wieder größer und schwerer in meinem Herzen. Aber ich weiß jetzt, wo ich Verständnis und Unterstützung bekomme!

Ich bin dabei, mich nicht nur innerlich von meinem Mann zu trennen. Wenn unser Sohn seine Ausbildung beendet hat und sich eine eigene Wohnung leisten kann, nehme auch ich mir eine kleine Wohnung. Diese Aussicht läßt alles viel leichter erscheinen.

Marion

Mein neues Leben

Mein neues Leben (Bericht von Bernadette)
Das erste Tangiert-Treffen war sehr wichtig für mich, denn es hat mir die Augen geöffnet! Es hat mir gezeigt, was ich nicht möchte, wie ich nicht leben möchte und wie ich nicht werden möchte! Es hat mich sehr erschüttert und nachhaltig wachgerüttelt. Ich danke TANGIERT, daß ich diese Erfahrung machen durfte.... sie hat mein Leben verändert!

Ich wusste auf einmal, was für mich richtig ist, ich war auf einmal in der Lage zu sagen "ich will nicht mehr", statt wie früher "ich kann nicht mehr". Mein Leben hat wieder Wert erlangt, ja, meine Bedürfnisse werden mir wieder wichtig. Ich wollte nicht mehr nur um ihn kämpfen, wo doch jeder Kampf aussichtslos ist. Ich wollte nicht mehr mein Leben für ihn "opfern", ich wollte wieder leben und irgendwann auch wieder glücklich werden. Das klingt vielleicht für viele Frauen hart, es kommt vielleicht der Eindruck hoch, mein Mann wäre ein schlechter Mensch oder würde mich unrecht behandeln. All das war und ist nicht der Fall. Er ist einfach nicht mehr mein Mann! Nicht mehr der Mann, den ich Jahre vorher geheiratet habe. Unsere Basis gibt es nicht mehr, zumindest nicht als Mann und Frau. Das wurde mir endlich bewußt! Was ich bei diesem Treffen erlebt habe, nämlich das tiefe Unglück der Frauen, die sich ihrem Schicksal bedingungslos ergeben, hat mir letztendlich dazu verholfen, mein Leben zu ändern.

Kurze Zeit nach diesem Treffen, nämlich weniger als 2 Wochen später hatte ich eine Wohnung für meinen Mann gefunden. Natürlich habe ich ihn darüber informiert, er war zu diesem Zeitpunkt in Urlaub bei seinem Freund. Nach seiner Rückkehr haben wir gemeinsam die Wohnung besichtigt. Wir haben den Haushalt aufgeteilt und ich habe meinem Mann beim Umzug geholfen. Das waren sehr harte Tage für mich, verbunden mit Tränen und Schmerz, aber auch einem klitzekleinen Hoffnungsschimmer, daß es im Grunde nur noch besser werden kann. Am Boden war ich ja schon......

Nachdem diese erste, zugegeben, nicht einfache Hürde genommen war, hatte ich einen totalen Kreislauf- und Nervenzusammenbruch. Die Erschöpfung der letzten Monate, die Enttäuschung darüber, "verloren" zu haben, immerhin 20 Jahre Ehe und die meiste Zeit davon sehr glücklich, das Gefühl, ich bin es nicht wert geliebt zu werden, all das kam wieder hoch in mir. Meine Ärztin empfahl mir dringend eine Therapie.

Der letzte gemeinsame Tag kam und der Abschied tat mir sehr weh. Ich konnte an diesem Abend nur heulen, war zutiefst verzweifelt, weil ich alleine war. Konnte mir mein Leben ohne ihn nicht vorstellen, obwohl es genau das war, was ich gewollt habe. Doch schon am Tag darauf fühlte ich so etwas wie "Befreiung", ja ich fühlte mich frei von der schweren Last und das war ein gutes Gefühl, wenn auch der Schmerz noch immer da war. Doch ich hatte in dieser ersten Woche sehr gute Freunde an meiner Seite, die mich abzulenken versuchten.

In der ersten Woche nach seinem Auszug, sah ich ihn jeden Tag. Es war grausam! Da wollte ich Abstand gewinnen und mußte ihn jeden Tag sehen. Die Umstände haben es so ergeben, wir hatten keine Möglichkeit, dem auszuweichen. Und je öfter ich ihn sah, umso belastender war es für mich. Schließlich wollte ich mein neues Leben beginnen und da war nun mal kein Platz mehr für ihn, zumindest nicht in der bisherigen Form! Und trotzdem fehlte er mir... ich hatte noch nicht wirklich losgelassen.

Doch erstaunlich schnell lernte ich, mein neues Leben anzunehmen und es zu genießen. Er fehlt mir nicht mehr, ich kann ohne ihn leben, ich habe losgelassen. Unsere Situation hat sich schnell normalisiert, wir sehen uns nicht mehr jeden Tag, aber sicher einmal in der Woche, manchmal auch öfter. Doch das ist okay, wir freuen uns, wenn wir uns sehen. Er respektiert mein Leben und meine Privatsphäre und ich seine. Wir akzeptieren den Lebensstil des anderen. Wir haben uns lieb, aber wir lieben uns nicht mehr.... wir sind nicht mehr Mann und Frau. Das war mal und es war gut, damals. Heute hat ein anderes Gefühl diesen Platz eingenommen: Wir sind Freunde geworden und ich könnte mir keinen treueren Freund vorstellen, als den Mann, der 20 Jahre lang mein Mann war und der heute noch, trotz der bitteren Zeit, die wir durchlebt haben, von sich behauptet, er würde alles für mich tun.

Mein schwuler Mann wird immer ein Teil meines Lebens bleiben. Ich möchte ihn nicht missen, aber ich möchte auch nicht mehr seine Frau sein! Ich beginne wieder zu leben -- nein, ich lebe wieder!! Ich kann jetzt, drei Monate nach seinem Auszug sagen, der Schritt, den ich getan habe, war der einzig richtige!!!! Auch wenn es weh tat, doch habe ich dadurch mich wiedergefunden. Und das ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl! Ich bin es wert, ich möchte leben, ich möchte glücklich sein und ich habe alle Zeit der Welt, dies zu erreichen. Mir geht es gut! Übrigens waren die Therapeutin und auch ich uns sicher, daß ich keine Therapie mehr brauche. Meine Therapie war die lange Zeit der Trennung.

Vor Kurzem habe ich einen sehr netten und liebevollen Mann kennengelernt. Ich glaube, ich könnte mir eine Zukunft mit ihm vorstellen. Er ist so ganz anders, als mein schwuler Mann. Durch ihn erlebe ich, wie schön es ist "Frau" sein zu dürfen. Durch seine Liebe werde ich erst wieder "Frau", nämlich so, wie ich es immer sein wollte, "ganz Frau". Wie es in meinem Leben weitergehen wird, das wir die Zukunft zeigen. Ich liebe wieder und werde von einem wundervollen Mann geliebt. Nur das zählt! Ein kostbareres Geschenk hätte ich mir nicht wünschen können.

Ich wünsche allen betroffenen Frauen, daß sie einen für sich richtigen Weg finden. Vor allem aber wünsche ich allen Frauen, daß sie den Mut finden, ihrem eigenen Leben wieder Wichtigkeit zu verleihen und es zu leben! Denn wir haben nur dieses eine und es sollte uns allen wertvoll sein!

Ja, das ist eine sehr lange Geschichte, aber eigentlich zum Kürzen fast zu schade, denn sie zeigt, daß es auch ein Leben "danach" gibt, das es wert ist, gelebt zu werden.

Bernadette

Erstes Tangiert-Treffen

Mein erstes TANGIERT-Treffen liegt hinter mir (Bericht von Bernadette)
Es ist eine sehr nette Gruppe und der gemeinsame Schicksalsschlag verbindet vom ersten Moment an. Ich habe mich in der Gemeinschaft sehr wohl gefühlt und an richtiger Stelle.

Es hat mich zutiefst erschüttert, wie viele Frauen betroffen sind. Noch erschütternder ist aber, was wir Frauen unseren Männern gestatten mit uns zu tun! Es tut so weh, das zu hören, weil man ja im Grunde die eigene Geschichte hört! Keine Frau darf es zulassen, sich so unwürdig behandeln lassen. Auch wenn die Männer nichts dafür können, daß sie schwul geworden sind, so sind sie aber doch sehr wohl verantwortlich dafür, wie sie nach dem Outing damit umgehen und vor allem, wie sie in Bezug auf ihre Frauen damit umgehen.

Den Spiegel, den ich "vorgesetzt" bekam, waren die anwesenden Frauen. Und ich sah vor mir die Bernadette vor ein paar Wochen/ Monaten. Zutiefst verzweifelt ohne eine Perspektive für die eigene Zukunft, voller Angst und Unsicherheit, voller Selbstzweifel, ganz in Abhängigkeit von meinem Mann. Aber ich habe gemerkt, daß ich schon viel weiter bin, als mir bewußt war. Denn ich weiß, ich WILL den Schmerz nicht mehr ertragen, ich WILL NICHT mehr leiden, ich WILL wieder glücklich und zufrieden werden mit meinem Leben. Und das wurde mir bei diesem Treffen noch bewußter. Der Gedanke und die Vorstellung, mein Leben eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen, festigt sich immer mehr. Ich möchte mich nicht mehr verstricken im Sumpf von Verzweiflung und Trauer und Mutlosigkeit, dem Gefühl, betrogen und so lange belogen worden zu sein.

Man könnte fast annehmen, die Männer hätten alles Recht der Welt, das sie sich auch nehmen auf Kosten von uns Frauen. Wir Frauen dagegen hätten nur das Recht, es zu ertragen. Es gab eine Phase während des Gespräches, da konnte ich nicht mehr, es wurde mir zu viel. Ich mußte beben vor Wut und Erschütterung. Über das, was wir Frauen erlebt haben und erleben und über das, was ich selbst erlebt habe und wieviel ich schon verkraften mußte. Nein, das alles darf mein Mann mir nicht mehr antun. Aber solange ich es zulasse, wird er es natürlich tun, ob bewußt oder unbewußt. Es liegt an mir, es ihm zu "verbieten", indem ich ihm nicht mehr den Rahmen dazu gebe.

Ich bin so glücklich darüber, daß ich gestern beim Treffen war. Es war eine der wertvollsten Erfahrungen für mich während des ganzen Zeitraumes nach seinem Outing. Ich weiß, daß mein Weg der richtige für mich ist. Ein Leben an der Seite eines schwulen Mannes ist für mich nicht genug, es tut nur weh. Auch ich habe das Recht auf Glück, erfahre aber nur Unglück, wenn ich sein Glück betrachte. Ich bin eine 100%ige Frau und möchte einen Mann, der 100%ig zu mir steht und zu mir gehört und den ich nicht mit einem anderen Mann teilen muß. Es klingt sehr egoistisch, selbst für mich. Aber ganz nüchtern betrachtet fragt er mich auch nicht, ob es mir gefällt oder ob ich damit umgehen kann. Er erwartet es einfach.....

Ich weiß aber auch, daß ich noch viele Rückschläge und viel Leid werde erleben müssen und verzweifelt und mutlos sein werde. Doch darauf bin ich gefasst. Ich hoffe, daß ich nach jedem Rückschlag gestärkt in meiner Überzeugung aus der Sache gehe. Ich werde Schritt für Schritt meinen Weg gehen. Der nächste Schritt, den ich heute getan habe war, daß ich erste Erkundigungen eingeholt habe, um zu wissen, wie es finanziell um mich steht im Falle einer Trennung. Lohnsteuerklasse, Unterhalt usw. Ich mußte mich endlich auch dieser Angst stellen, um überhaupt eine Vorstellung zu bekommen, was auf mich zukommt. Und selbst wenn es nach einer Trennung nicht rosig aussehen sollte, so ist es doch nicht ganz so schlimm, wie ich befürchtet habe. Das nimmt mir zumindest ein Stück meiner Angst. Und das ist gut, denn diese Angst hat mich lange genug gelähmt. Und ich habe dadurch Zeit gewonnen, weil ich mir jetzt schon überlegen kann, was ich im Falle, daß es finanziell nicht reicht, tun könnte.

Beim nächsten Treffen kann ich leider nicht dabei sein, aber danach werde ich wieder hingehen. Es gibt nichts kostbareres als eine Gruppe von Frauen, die einander in dieser Situation verstehen. Die Kraft alleine dadurch geben, daß man nicht mehr alleine ist mit dem Problem. Und was genauso wichtig ist: zu sehen, daß es auch ein Leben nach dem schwulen Mann gibt. Daß viele Frauen es geschafft haben, wenn es auch nach wie vor schwer ist, aber denen ihr Leben mehr wert ist und die sich nicht aufgeben.

Ich wünsche mir, daß mein Mann und ich es schaffen, vernünftig und fair miteinander umzugehen. Ich wünsche mir - nach dieser schweren Zeit - daß wir irgendwann Freunde sein zu können und uns ohne Vorwürfe in die Augen blicken können. Das ist alles, was ich mir von meinem Mann noch wünsche.

Ich danke den Tangiert-Frauen für die Unterstützung, danke für Euren Einsatz und daß Ihr den neuen Frauen durch Eure eigenen schmerzlichen Erfahrungen so viel Mut, Verständnis und Kraft gebt. Für viele Frauen gibt es nur diese eine Stelle, an die sie sich wenden können. Sie wären sonst ganz allein. DANKE !!!!!!

Bernadette

Literaturliste

Hier finden Sie passende Literatur zum Thema.

Aus Sicht der Partnerin

"Mein Mann liebt einen Mann"
Wie Frauen das Coming-out ihres Partners bewältigen.
Bettina von Kleist, Ch. Links Verlag, Berlin, September 2003, ISBN 3-86153-306-5

Bettina von Kleist ist selbst eine betroffene Frau und Journalistin. Sie erzählt viele Geschichten und reflektiert den Prozess des Co-coming-out und Coming-out aus verschiedenen Perspektiven. Mehrere Frauen aus der Selbsthilfe-Gruppe "Tangiert" haben der Autorin Interviews gegeben. Sie fühlen sich und ihre Erfahrungen im Buch gut wiedergegeben.


Ein wichtiges Buch gibt es nur in Englisch:
"The Other Side of the Closet"

Amity Pierce Buxton John Wiley & Sons, Inc. The Coming-Out Crisis for Straight Spouses and Families, 1991, ISBN 0-471-02152-0

Während fünf Jahren hat Amity P. Buxton nach den heterosexuellen Partnern von Schwulen und Lesben bzw., bisexuellen Menschen gesucht, ihre Coming-Out-Geschichten aufgeschrieben und reflektiert. Der Schock, den das unfreiwillige Coming-Out der Partner für die Ehefrauen oder -männer, wie auch für die Kinder bedeutet, wird hier in all seinen Facetten in deutliche Worte gefasst. Das Buch zeigt auch, wie das Leben danach weitergeht, zu welchen Lösungen die Menschen kommen und wie die Wunden geheilt werden können.


"Wenn die andere ein Mann ist"
Brigitte Honnens, Campus-Verlag
Frauen als Partnerinnen bisexueller Männer, 1996, ISBN 3-593-35575-2

Viele betroffene Frauen hat dieses Buch sehr irritiert. Es ist stärker an der Situation der homo- oder bisexuellen Männer interessiert als an der der heterosexuellen Ehefrauen. Auf die Erfahrungen der Frauen geht das Buch nicht wirklich ein.

"E Gott gheiligti Ehe"
Margrith Gimmel, Zytglogge Verlag
berndeutscher Roman aus der Schweiz, ISBN 3-7296-0615-8

In den 50er und frühen 60er Jahren ist die Autorin ohne es zu wissen mit einem schwulen Partner verheiratet, der seine Homosexualität hinter einer christlich verbrämten Enthaltsamkeitsideologie zu verbergen sucht. Schweigen und Drohungen machen das Leben für die junge Ehefrau sehr schwer. Erst der Tod des Mannes und eine lange Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte haben es der heute 70jährigen Autorin möglich gemacht, ohne Schuldzuweisungen über diese Ehe zu schreiben. Der Dialekt stellt eine besondere Spannung zwischen Nähe und Sachlichkeit her.


"Schade, daß sie eine Frau ist..."
Micus, Andrea Bergisch Gladbach 1994

Aus Sicht des Mannes

"Mann liebt Mann"
Thomas Hölscher, Verlag neues Leben
Berichte schwuler Ehemänner und Väter, ISBN 3-355-01420-6


"Alternative Lebensformen"
Udo Rauchfleisch, Sammlung Vandenhoek
Eineltern, gleichgeschlechtliche Paare, Hausmänner, ISBN 3-525-01434-1


"Gleich und doch anders"

Psychotherapie u. Beratung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen u. ihren Angehörigen
Udo Rauchfleisch u.a., Verlag Klett-Cotta, ISBN 3-608-94236-X

Verschiedene Fachleute schreiben sehr differenziert über die weiter bestehende Diskriminierung Homosexueller in der Gesellschaft und über die Voraussetzungen einer guten Beratung. Mit Angehörigen sind hier, wie sonst, vor allem Eltern, Geschwister und Freunde gemeint. Doch in einem Kapitel kommen auch Ehepartner und Kinder vor.
Für Partnerinnen schwuler Männer ist das Buch sehr interessant, wenn man es sozusagen gegen den Strich liest. Viele Probleme, z.B. beim Coming Out haben die Partnerinnen und Kinder auch, nur aus äußerem Anlass. Noch immer unbearbeitet bleibt die Situation der Kinder. Es gibt daher auch keine Hilfe in der Frage, wie man möglichst hilfreich mit ihnen reden kann.


"Seitenwechsel"
Bastian Brisch, Männerschwarmskript Verl.
Die Geschichte eines schwulen Familienvaters, ISBN 3-928983-79-2

Ein 43jähriger Mann, verheiratet, Vater von zwei kleinen Töchtern, hat sein spätes Coming Out. Zuerst bedeutet das für ihn und seine Frau die große Erleichterung, dann wird es immer schwieriger, einander zu verstehen und zu akzeptieren. Ein sehr ehrliches Buch aus der Sicht des schwulen Mannes. Es kann helfen sich in seine komplexe Erfahrung einzufühlen, und es macht indirekt nachvollziehbar, warum er sich trotz allen guten Willens mehr und mehr von seiner Frau und seinen Töchtern entfremdet.

Für erwachsene Kinder

"Mein fremder Vater"
Susan Bergmann, Rowohlt Verlag, ISBN 3-498-00579-9

Nach dem Tod des Vaters, der ein begabter Musiker und eines der ersten Opfer von Aids in den USA war, erfahren seine Frau und seine Kinder, daß er ein Doppelleben geführt hat. Ein Bruder der Autorin fährt gegen einen Baum, die Mutter und zwei Töchter versinken in Kummer und Selbstzerstörung. Susan, die jüngste Tochter und Autorin dieses Buches, beginnt die Suche nach der eigenen Geschichte, die nun in einem ganz veränderten Licht erscheint. Sie findet den Vater, wie er wirklich war und setzt sich damit auseinander.

Für Kinder

"Papas Freund"
Michael Willhoite, magnus-medien-Verlag, Berlin, 1994
Kinderbuch für 2-6jährige Kinder, aus der Sicht der homosexuellen Väter, ISBN 3-928951-08-4.

Hier läuft alles nach Wunsch. "Schwulsein ist eine andere Art zu lieben". Die Mutter des kleinen Jungen steht verständnisvoll am Rande und schaut zu, wie alle anderen glücklich sind.


"2 x Papa oder der Zwischenfall auf dem Pausenhof"

Schins, Marie-Therese
Hamburg 1995 /ab 10 Jahre/


"Eberhard, die schwule Sau"
Kreuzsaler, Gabriele

Geschichte für die Kleineren von dem Schwein Eberhard, das die „dummen Hühner“ beschimpfen. keine Altersangabe/ Koblenz 1998


"Alles Familie"
Haman, Knut / Schössow, Birgit 1997 /ab 4 Jahre/


"Bleibst immer mein Papa"
Broere, Rieu / Bode, Anne de
Bilderbuch/

"Jack"
Homes, A.M. Würzburg 1992 /für Jungen/Jugendliche um 16 Jahre/

Für Jugendliche

"Gemischte Gefühle"
Joachim Braun, Beate Martin rororo TB,
Ein Lesebuch zur sexuellen Orientierung, ISBN 3-499-60835-9

Besonders Kinder von homosexuellen Eltern stellen sich Fragen nach der eigenen sexuellen Identität. Hier wird gefragt, woran man die eigene sexuelle Orientierung erkennt, man erfährt etwas über die Geschichte der Homosexualität, auch in anderen Kulturen, über Homophobie, Bisexualität, Transsexualität etc., über das Coming Out auch als heterosexueller Mensch und vieles mehr. Ein offenes und informatives Buch für Jugendliche.

Bisexualität

"Die Bisexualität des Mannes"
Willhart Schlegel, Rita G.Fischer Verlag
Die unterschiedlichen Menschentypen, ISBN 3-89501-037-5

Dieses Buch scheint eine eher kultur- und naturwissenschaftliche Sichtweise zu vertreten. Der sexuelle Kontakt überhaupt dient neben dem Spaß und der Fortpflanzung der Bildung verantwortungsvoller sozialer Bindungen. Vielfältige Kontaktmöglichkeiten bringen somit viele verantwortungsbewusste Bindungen. Das wird auf fast allen denkbaren Gebieten betrachtet. Wenn es nach den Autoren geht, die über das Thema Bisexualität schreiben, dann liegt in der Offenheit nach allen Seiten die Lösung für fast alle Probleme.


"Die Vielfalt des Begehrens"
Marjorie Garber, Fischer TB,
Bisexualität von Sappho bis Madonna, ISBN 3-596-148

Ist Bisexualität eine "dritte Art" sexueller Identität, zwischen oder jenseits von Homo- und Heterosexualität? Oder stellt sie nicht überhaupt das Konzept einer sexuellen Identität in Frage? Wen diese Fragen beschäftigen, der findet hier eine sehr ausführliche sowohl historische wie grundsätzliche Darstellung mit vielen Beispielen aus alter und neuer Zeit. Was wird eigentlich erklärt, wenn wir nun einen dritten Ausdruck haben?

 

Für Männer

"Wenn Männer sich verweigern"
Thomas Schindler, Verlag Peter Erd München
ISBN 3-8138-0236-1

Geschichten von Männern, die sich aus diversen Ängsten heraus der Sexualität entziehen. Männer wollen und können den alten Rollenerwartungen vom Mann, der alles kann, nicht mehr entsprechen. Hier werden die alten Frauen- und Männerrollen in Frage gestellt und neue Perspektiven gesucht.

 

Für Familienmitglieder

Die Macht des Schweigens, Geheimnisse in der Familie,
Evan Imber-Black, dtv Nr. 36223, Dezember 2000, ISBN 3-423-36223-5

Evan Imber-Black gilt als eine der führenden Familientherapeutinnen in den USA.
In vielen Familien gibt es Geheimnisse. Sie entstehen oft in guter Absicht, um die Familie oder einzelne Mitglieder zu schützen. Aber dann entwickeln sie eine Eigendynamik und sie können die Spontaneität, Echtheit und Herzlichkeit in der Familie schwer stören. Das Buch zeigt, dass es nie zu spät ist, um ein neues Gleichgewicht zwischen Offenheit und Verschwiegenheit zu finden und schrittweise zu verwirklichen.


"Darüber spricht man nicht"

Rotraud Perner, Kösel Verlag
Tabus in der Familie.
Das Schweigen durchbrechen, ISBN 3-466-30486-5

Ein leicht verständliches Buch, das zeigt, warum in der Familie über vieles nicht gesprochen wird. Mit Beispielen aus ihrer psychologischen Praxis ermuntert die Autorin zu offener Kommunikation.

Termine

Derzeit keine aktuellen Termine.

Letzter Termin:

18.06.2018 Tangiert Treffen in Frankfurt

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