Geld verdienen

Entsetzt hat mich die Sache mit dem Geld verdienen (Bericht von Marion)
Vor über 4 Jahren gestand mein Ehemann, dass er auch mit Männern sexuelle Kontakte hat. Ich hatte es schon lange vorher geahnt, eigentlich schon Jahre vorher. Aber ich wagte es nie, ihn konkret danach zu fragen. Ich dachte immer, solange „es“ nicht ausgesprochen wird, ist „es“ auch nicht real. Und wenn ich meine Vermutungen verbal geäußert und von ihm bestätigt bekommen hätte, würde mein Mann erleichtert sein und seinen Druck loshaben. Ich aber müsste dann alleine leiden mit dieser Gewissheit. So dachte ich lange, lange Zeit.

Nachdem sich aber die Hinweise immer mehr verdichteten und ich die Augen nicht mehr verschließen konnte, sprach ich ihn direkt darauf an. Erst stritt er alles ab, bis er es endlich gestand:“ Ja, ich bin schwul!“ Ihm sei langweilig geworden in der Ehe (dann hätte er sich aber bestimmt eine Freundin gesucht!) und außerdem habe er damit auch Geld verdient. Um damals während seiner Arbeitslosigkeit sein Taschengeld aufzubessern, hat er die z.T. perversen Wünsche homosexueller Männer erfüllt. Er war sogar noch fast stolz darauf, mit relativ wenig Anstrengung - dafür mit um so mehr Spaß - eine Menge Kohle zu scheffeln. Davon, daß er schwul ist, war ich gar nicht so geschockt, wie ich vorher vermutete - entsetzt hat mich die Sache mit dem Geld verdienen.

Wir haben dann tage- und nächtelang geredet, geweint und uns in den Armen gelegen. Auch hatten wir in dieser Zeit den schönsten Sex, den man (frau) sich wünschen kann. 1 ½ Jahre lang führten wir eine Traumbeziehung, auch wenn mir klar war, dass es nicht immer so bleiben würde. Mein Mann hatte in dieser Zeit auch überhaupt nicht das Bedürfnis, mit Männern zu verkehren. (Er behauptet heute, nicht schwul, sondern bisexuell zu sein.)

Der Absturz kam natürlich, er ließ sich nicht aufhalten. Ich hatte - außer meiner besten Freundin - niemanden, dem ich mich anvertrauen konnte. Durch Zufall entdeckte ich das Buch von Bettina von Kleist „Mein Mann liebt einen Mann“ und habe mich endlich, endlich verstanden gefühlt. Die Berichte der Frauen in diesem Buch ähnelten meiner eigenen Geschichte. Die Gefühle, die diese Frauen beschrieben, waren nahezu identisch mit meinen. Ich bin nicht die Einzige! Ich bin nicht mehr alleine mit diesem Problem!

Durch dieses Buch habe ich auch von „TANGIERT“ erfahren und nahm Kontakt auf. Nach dem ersten Telefonat mit einer Frau der örtlichen Tangiertgruppe, die mir auch den Termin des nächsten Gruppentreffens sagte, hätte ich die Welt umarmen können. Die Situation daheim spitzte sich immer mehr zu und ich verspürte einen Riesenstein in mir, der mir fast den Atem nahm. So ging ich zum ersten Mal zu diesem Treffen. All diese Schicksale der Frauen sind so vielschichtig und doch ähneln sie sich alle. Keine der Frauen sagte zu mir“ Für mich wäre es schlimmer, wenn mein Mann eine andere Frau hätte“, so wie mir eine Freundin sagte. Diese Frauen in der Gruppe verstehen, das „frau“ keine reelle Chance hat, wenn „mann“ den Sex mit Männern bevorzugt.

An diesem Tag, auf der Heimreise Richtung Autobahn, spürte ich diesen Stein in mir nicht mehr! Ich fühlte mich in diesem Moment total befreit! Ich hatte das Gefühl, Flügel zu besitzen! So leicht, so losgelöst war ich schon Jahre nicht mehr. Allerdings kam der Stein zurück, wurde während der weiteren Fahrt nach Hause wieder größer und schwerer in meinem Herzen. Aber ich weiß jetzt, wo ich Verständnis und Unterstützung bekomme!

Ich bin dabei, mich nicht nur innerlich von meinem Mann zu trennen. Wenn unser Sohn seine Ausbildung beendet hat und sich eine eigene Wohnung leisten kann, nehme auch ich mir eine kleine Wohnung. Diese Aussicht läßt alles viel leichter erscheinen.

Marion